In Gedenken an die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen einer Flachsröste im Dritten Reich sollte für diese Ausschreibung ein Ensemble aus aus drei Teilen entorfen werden. Ein Informationsort mit Denkmaltafeln, einer Denkmalskulptur und einer Reihe von Stelen mit Biographietafeln. Zusammen mit den Künstler*innen Simona De Fabritiis und Marian Wiesner entstanden folgender Beitrag.
Die Visualisierungen sind Bestandteil der ersten Stufe des Wettbewerbs. Nach erfolgreicher Vorauswahl war in der zweiten Stufe die Einreichung maßstäblicher Modelle gefordert. Die folgenden Modelle des Informationsortes und der Denkmalskulptur in jeweils im Maßsstab 1:25 und 1:50 waren meine ersten selbstmodellierten und gedruckten Objekte1\ DENKMALSKULPTUR Vom röm Wort für Bund: „fascio“, leitet sich der Begriff Faschismus ab. Demnach sind Faschisten „Bündler“. Das römische ‘Fascis’, Symbol und Namensgeber der italienischen Faschisten, ist ein Rutenbündel mit eingesetztem Beil, das aus der Mitte he r aus steht. Das Beil symbolisierte die Todesstrafe. Auch Flachsstängel werden zunächst bei ihrer Ernte gebündelt und dann über viele Arbeitsschritte weiterverarbeitet. Unsere Skulptur ist einem Riffelblock, einem der Werkzeuge aus der Flachsverarbeitung, nachempfunden. Den Flachsstängeln werden mithilfe der Riffel deren Samenkapseln (oder ‘Köpfchen’), abgerissen. Wenn die Flachsbündel durch die Riffel gezogen werden, werden sie geordnet, gekämmt, in Form gezwungen. In unserer überlerebensgroßen Skulptur werden beschnitzte Robinienstämme werden große angespitzte Betonpfeiler gekämmt. Die Robinienstämme (Länge zwischen 2,50 m und 3,00 , Ø12-18 cm) strahlen,obwohl sie ohne der Rinde ihres natürlichen Schutzgewands beraubt sind, etwas Lebendiges, so wie auch die Schicksale der Opfer der Zwangsarbeit in Lohhof durch jüngste Forschungsarbeit und der Widmung durch dieses Monument, im Bewusstein der Menschen wieder auferleben sollen. Das Holz ist einseitig in Fundamenten, untereinander, sowie in den Riffeln unsichtbar verschraubt. Durch die naturbelassene Oberfläche vergraut dieses mit den Jahren. Die einzelnen Riffel sind einzeln, vor Ort gegossene Betonsäulen, die in Ihrer Körnung, Materialität und Anstrich dem Eingangstor zur ehemaligen Flachsröste nachempfunden. Sie stehen somit in einem markanten Gegensatz zur natürlichen Oberfläche der Holzstämme. Sie stehen als Symbol für den Faschismus und die kalte Macht und Gewalt, mit der das autoritäre Regime im nationalsozialistischen Deutschland die Menschen ihrer Individualität beraubte. Die Skultpur steht innerhalb einer etwa 3,00 x 3,00 m großen eingefassten Fläche, aufgeschüttet mit Betonschroppen. Die einzelnen Stängel des Flachsbündels zeigen in Richtung des „Weges der Erinnerung“.
2\ WEG DER ERINNERUNG Um den „Weg der Erinnerung“ zu kennzeichnen schlagen wir vor, vier Gruppen von drei bis vier Stammskulpturen an den vorgeschlagenen Lagen zu schaffen. In ihrer Form und Materialität sind sie den Stämmen und der Bearbeitung der Riffelskulptur gleich, sind jedoch im Durchmesser etwas größer. Sie stehen vereinzelt, wie vergessene Flachspflanzen am Feldrand und markieren so den Weg, den die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen gehen mussten. Die Robinienstämme werden im Boden fest mit Punktfundamenten verankert. Auf Sichthöhe weisen die Stämme eine abgeflachte Stelle auf, an denen die Biogramme aus bedrucktem oder gefrästem Edelstahl auf Distanzhülsen angeschraubt werden.
3\ INFORMATIONSORT Inhaltlich verweist die Gestaltung am „Informationsort“ erneut auf die Flachsverarbeitung als Metapher für den Faschismus. Der Vorgang des “Brechens” findet in der Flachsverarbeitung nach dem des “Rottens” und des “Röstens” statt. Der Flachs besitzt einen hohlen Holzkern, der von den Fasersträngen des Bastgewebes umgeben ist. Um Fasern zu erhalten, muss dieses Holz zerkleinert (gebrochen) werden, jedoch wird es bei diesem Vorgang nicht durch- sondern nur angebrochen. Trichterförmig führt eine Gruppe Robinienstämme zu einer übergroßen Flachsbreche, bestehend aus zwei betonierten Zahnradwalzen, die mit einer Höhe von etwa zwei Metern und einem Durchmesser von etwa 80 cm dicht aneinander stehen. Die geplanten Informationsschilder können inmitten/zwischen den Robiniestämmen sowie an der Breche angebracht sein und dem Betrachter damit ein Gefühl zu vermitteln Bestandteil dieser Gruppe zu sein. Die Breche wird vor Ort aus eingefärbtem oder angestrichenem Beton gefertigt um erneut den Bezug zu dem ngangstor zu schaffen. Die Schalungen hierfür könnten aus entsprechend dimensionierten Fässern mit radial verschraubten Kanthölzern auf der Innenseite gefertigt werden und auf einem bauseits vorhandenen, frostfrei gefründetem Fundament mit eingelassenen Armierungsankern gegossen werden.